Konzertorte neu gedacht: Musethica an Schulen mit Förderschwerpunkt

Am 24. Februar 2026 fand das vierte New Audience Symposium statt. Die Veranstaltung brachte 24 Teilnehmende zu einem digitalen Austausch zusammen, darunter Lehrkräfte aus Polen, Schweden und Deutschland, Konsortiumspartner, Musethica-Teams sowie Forschende aus verschiedenen europäischen Ländern. Moderiert wurde das Treffen von Marcin Poprawski (Humanistic University of Applied Sciences – HUMAK, Helsinki). Die Veranstaltung bot Raum für ein offenes und praxisnahes Gespräch über die Wirkung von Musethica-Konzerten an Schulen mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt.

Die Lehrkräfte teilten durchweg positive Erfahrungen mit Musethica-Konzerten für Schüler*innen mit unterschiedlichen Förderbedarfen, darunter junge Menschen im Autismus-Spektrum und Lernende mit komplexen Unterstützungsbedarfen. Besonders hervorgehoben wurden die Neugier und Aufmerksamkeit der Kinder und Jugendlichen sowie die Qualität der Fragen, die im Anschluss an die Musiker*innen gestellt wurden.

Die Dimension des Raums

Im Mittelpunkt des Symposiums stand die Frage nach der Rolle der räumlichen Begebenheiten und wie diese das Konzerterlebnis beeinflussen. So wurde u.a. diskutiert, was einen Konzertort ausmacht und wie räumliche Anordnungen die Wahrnehmung, Konzentration und Interaktion prägen.

Ausgehend von der Historie der Kammermusik wurde die Bedeutung der räumlichen Nähe zwischen Musiker*innen und Publikum betont. In mehreren Schulen musizieren die Ensembles nicht auf einer Bühne, sondern z.B. in der Mitte des Raumes, während die Schüler*innen um sie herum sitzen. Die Nähe wurde als besonders wirkungsvoll beschrieben, da sie Konzentration fördert und ein starkes Gefühl gemeinsamer Präsenz entstehen lässt.

Auch praktische Aspekte wie Sitzmöglichkeiten wurden thematisiert. Gerade in Mehrzweckräumen oder Turnhallen können Stühle helfen, Struktur zu geben und die Aufmerksamkeit zu bündeln. Zudem spielt Vertrautheit eine zentrale Rolle. Konzerte im gewohnten schulischen Umfeld – im Gegensatz zu externen Veranstaltungsorten – wurden als besonders förderlich erlebt. Gerade für neurodivergente Schüler*innen schafft der vertraute Raum Sicherheit und Entspannung und unterstützt so die Offenheit gegenüber dem Konzerterlebnis.

Abschließend sprachen die Teilnehmenden über die Vorbereitung: Wie können Musiker*innen, Lehrende und Publikum sich (besser) auf das Konzert vorbereiten, um die Wirkung der Begegnung weiter zu vertiefen? Während einige Lehrkräfte Informationen zu Musiker*innen und Repertoire im Vorhinein als hilfreich beschrieben, betonten andere, dass viele Schüler*innen den „fremden“ Musizierenden ohnehin mit natürlicher Offenheit und Neugier begegnen.

Offene Fragen und Ausblick

Am Ende des Symposiums standen zwei zentrale Fragestellungen: Welche langfristigen Wirkungen haben Musethica-Konzerte im Kontext von Förderschulen und wie lassen sich diese messen? Und was können Musiker*Innen von dem Publikum mit unterschiedlichen Unterstützungsbedarfen bzw. aus vielfältigen Lernumgebungen lernen? Diese Fragen werden in den kommenden Veranstaltungen tiefer beleuchtet.

Insgesamt bestätigte der Austausch eindrücklich die Wirkung und das Potenzial des Musethica-Ansatzes. Insbesondere die Dimension des Raums, seine Struktur, Atmosphäre und Beziehungsdynamik, erwies sich als entscheidender Faktor für inklusive und sinnstiftende Konzerterfahrungen.

Ein herzlicher Dank gilt allen Teilnehmenden für die offene und bereichernde Diskussion.

Die Termine der nächsten Symposien werden auf der Website sowie in unseren Newslettern veröffentlicht.
Die New Audience Symposien finden im Rahmen des von der EU-geförderten Projekts 1000+ Concerts: Innovating Higher Music Education Through Social Inclusion statt.

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Krönender Abschluss des Musethica-Jahres 2025 in Berlin