Über Teilhabe, Emotionen und Hoffnung hinter Gittern

Das 5. New Audience Symposium widmete sich der Frage, welche Wirkung Musethica-Konzerte im Gefängnisumfeld entfalten. Moderiert von Tobias Schmidt, Lehrer an der Helmuth-Hübener-Schule in der Jugendstrafanstalt Berlin, tauschten sich Mitarbeitende aus unterschiedlichen Justizvollzugsanstalten in Deutschland und Schweden mit Forschenden und Projektpartnern über Ihre Konzerterfahrungen aus.
Erstmalig nahm auch eine inhaftierte Person direkt an der Diskussion teil. Anonym aus der Berliner Justizvollzugsanstalt für Frauen zugeschaltet, teilte sie ihre Erfahrungen als Konzertbesucherin und bereicherte das Gespräch um die Perspektive des Publikums.

Ein zentrales Diskussionsthema war die emotionale Wirkung von Live-Musik. Die Teilnehmenden reflektierten darüber, wie Konzerte ein breites Spektrum an Reaktionen auslösen können – von Freude, Trost und Hoffnung bis hin zu Unbehagen, Frustration oder Abwehr. Anstatt herausfordernde Emotionen als negatives Ergebnis zu werten, betonten die Diskutierenden deren Potenzial: Musik kann Reflexionsräume öffnen, Dialoge anstoßen und Menschen dazu ermutigen, sich mit Gefühlen auseinanderzusetzen, die sonst oft verborgen bleiben.

Daraus ergab sich die weiterführende Frage nach der Teilhabe: Sollte der Besuch der Musethica-Konzerte für Inhaftierte freiwillig sein? Die anonyme Teilnehmerin lieferte dazu einen bemerkenswerten Denkanstoß: Ihrer Ansicht nach sollte den Insassen hier keine Wahlfreiheit gelassen werden, da man im Vorfeld nicht immer wissen könne, welche Erfahrungen sich im Nachhinein als wertvoll und bereichernd erweisen.

Oft ergeben sich aus den Begegnungen mit den Musiker*innen auch tiefgehende Gespräche über Resilienz, Geduld und langfristige Ziele. So wurde aus der Jugendstrafanstalt berichtet, dass Inhaftierte meist tief beeindruckt sind von der Disziplin und dem Durchhaltevermögen, die eine professionelle Musikkarriere erfordert. Sie begegnen Kunstschaffenden, die einen anspruchsvollen Weg gewählt haben – geprägt von jahrelangem Üben, Unsicherheit, intensivem Wettbewerb und Rückschlägen – und dennoch kontinuierlich Zeit und Energie investieren. Für viele Insassen hat dieses Engagement Vorbildcharakter. In einigen Fällen haben die Konzerte sogar Hoffnung und neue Perspektiven für die Zeit nach der Entlassung gegeben, wie Beispiele aus Freiburg und Porto zeigten.

Das nächste New Audience Symposium findet am 8. September 2026 statt. Im Fokus steht dann “Die Psychiatrie als Konzertsaal”. Nähere Informationen dazu finden Sie in Kürze auf unserer Website.

Die Symposien sind Teil des von der EU geförderten Projekts 1000+ Concerts: Innovating Higher Education Through Social Inclusion.

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